Vlogging-Linsen im Vergleich

Da ich doch einige Kameras und Objektive in meiner Fototasche habe, stehe ich immer wieder vor der Frage: nehme ich zum vloggen lieber das 35mm F2 Canon oder doch lieber das 15mm F1.7 von Panasonic? Immer wieder fange ich an zu rechnen bei welcher Linsenkombination ich besser im Bild bin. Ich habe daher mal die folgende Tabelle als Vergleich von Brennweite/Abstand zum Objektiv und Blendenkombination zusammengestellt.

Brennw.BlendeKB mmKB FAbstand
Panasonic15 mm1 : 1,730 mm1 : 3,4ca. < 50 cm
Canon20 mm1 : 2,832 mm1 : 4,48ca. < 50 cm
Canon24 mm1 : 2,838,4 mm1 : 4,48ca. 50 cm
Panasonic25 mm1 : 1,750 mm1 : 3,4ca. 0,5-1 m
Canon35 mm1 : 2,056 mm1 : 3,2ca. 1 m
Sigma
30 mm1 : 1,460 mm1 : 2,8ca. 1,5 m
Canon50 mm1 : 1,480 mm1 : 2,24ca. 2 m

Sortiert ist die Tabelle nach KB mm, also der umgerechneten Brennweite auf Kleinbild, da dieser Wert maßgeblich den Bildausschnitt und den zu erwartenden Abstand zum Objektiv ergibt.

Das Canon 50mm F1.4

Dieses Objektiv bietet die stärkste Freistellung (kleinstes Zahl 1:2,24 als Blenden-Verhältnis) des Vloggers vor einem unscharfen Hintergrund (sofern er bei F1.4 filmt). Allerdings ist der Abstand zur Linse auch am größten, da sich eine Brennweite von 80mm (Kleinbild) ergibt. Folglich ist das Filmen handheld nicht mehr möglich, sondern über ein in etwa 2 m Entfernung stehendes Stativ zu lösen.

Das Panasonic 25mm F1.7

Die 25mm Brennweite des lichtstarken Panasonic liegt umgerechnet bei 50mm (Kleinbild). Zum Filmen handheld ist dieses mit 0.5-1m Abstand grenzwertig. Besser ist diesbezüglich dann das Canon 24mm F2.8 oder Canon 20mm F2.8, jedoch ist die Freistellung schlechter (größte Zahl 1:4,48 im Blendenverhältnis) als der des 25mm F1.7 (vergleiche dazu die Spalte KB F).

Das Panasonic 15mm F1.7

Den geringsten Abstand zu Objektiv und Kamera muss der Vlogger beim 15mm Panasonic einhalten, es ergibt sich die kürzeste Brennweite von 30mm (Kleinbild), die ganz bequem aus der Hand zu halten sind. Die Freistellung dieses Objektivs ist mit der des Canon 35mm F2.0 oder dem Panasonic 25mm F1.7 vergleichbar.

Was ist das Blendenverhältnis?

Ich werde oft gefragt was das ausschlaggebende Kriterium am Objektiv ist wenn man ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund freistellen möchte. Daher ein kleiner (einfacher) Erklärungsversuch.

Tipp | Freistellung wird auch oft mit Bokeh gleichbedeutend genannt. Es sind jedoch verschiedene Dinge, da das Bokeh eher die Zerstreuungskreise beschreibt.

Je kleiner die zweite Zahl im Blendenverhältnis, zum Beispiel 1:3.5 ist, um so stärker ist das Potential einen unscharfen Hintergrund zu erhalten. Diesen Wert findet Ihr vorne auf dem Objektivring.

Die Zahl, z.B. 3.5, beschreibt wie weit die Blendenlamellen im Objektiv im Verhältnis zur Sensorgröße maximal geöffnet werden können. Folglich kann eine Blende mit 1:1.8 stärker geöffnet werden als ein Objektiv mit 1:3.5. In folge dessen galangt mit 1:1.8 mehr Licht auf den Sensor als mit 1:3.5. Die Folge: das Bild wird kürzer belichtet, weniger verwackelt, rauscht weniger und erzeugt mehr Freistellung (siehe folgendes Bildbeispiel).

Kleine Blendenzahlen (offene Blende) verringern den scharfen Bereich und stellen stärker frei – Vordergrund ist unscharf, Motiv ist scharf, Hintergrund ist unscharf

Große Blendenzahlen bedeuten, das Blendenlamellen stärker geschlossen werden, der im Bild scharfe Bereich nimmt deutlich zu bis zu solch hohen Blendenwerten bei denen alles scharf im Bild ist (siehe folgendes Bildbeispiel).

Hohe Blendenzahlen (geschlossene Blende) vergrößern den scharfen Bereich so weit, bis alles im Bild scharf ist – Vordergrund ist scharf, Motiv ist scharf, Hintergrund ist scharf

Tipp | inzwischen gibt es Objektive mit Blenden von 1:0.9, diese sind jedoch unglaublich teuer und auch oft ohne AF Unterstützung, also voll manuell zu nutzen.

Kleine Blendenwerte wie zum Beispiel 1:1.8 oder sogar 1:1.4 sind super! Je kleiner, um so besser.

Allerdings haben solche extrem großen Öffnungsverhältnisse auch Nachteile.

Der Bereich in dem das Bild scharf ist wird immer kleiner und der Autofokus muss ordentlich ackern um bewegte Motive auch sauber im Fokus halten zu können. Oft beträgt der Schärfebereich bei einem 50mm F1.4 nur noch wenige Millimeter, sind also bei einem Portrait die Augen scharf, dann kann die Nasenspitze bereits unscharf sein, so extrem klein ist die Schäfreebene!

Kleine Blendenwerte (z.B. 1:1.2) und extrem große Öffnungsverhältnisse bedürfen auch größere Linsen, das Objektiv wird größer, das Glas schwerer und es kann sein, das der Autofukus etwas langsamer arbeitet, da er deutlich schwerere Linsen im Objektiv hin und her bewegen muss.

Ebenfalls problematisch sind bei solch extrem offenen Blenden die so genannten Aberationen, dies sind meist lila Farbsäume an kontrastreichen Farbkanten. Vielen fällt dies kaum auf aber das geschulte Auge erkennt diese auf den ersten Blick.

Und, der wohl wichtigste Punkt, Objektive mit sehr kleinen Blendenzahlen sind teilweise extrem teuer. Hochwertige Objektive beginnen oft über 1000,- EUR.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.