Camcorder vs DSLM/DSLR

Lohnt sich heutzutage noch die Anschaffung eines Camcorders oder ist man mit einer DSLR bzw. DSLM als Film-Maschine eventuell besser bedient?

Neben meinen Kamerasystemen habe ich auch einen Camcorder im Einsatz, es ist der Panasonic HC V777. Der Camcorder ist überaus leicht, schnell eingeschaltet und kann unkompliziert Aufnahmen in Full-HD starten.

Ebenso nutze ich auch meine unterschiedlichen DSLR (Nikon D7100) und DSLM (Olympus OMD EM, Lumix G70, Nikon A900) Systeme als Filmkamera für ganz unterschiedliche Dinge, sogar meine Edelkompakte Nikon A900 nutze ich gelegentlich als Movie-Maschine hier und da.

Doch wo liegen denn nun genau die Unterschiede?

Grundsätzlich zeichne ich mein gesamtes Videomaterial im Format Full-HD auf, zwar können einige meiner Systeme 4k aber ich sehe keinen Vorteil für mich, da ich weder geeignete Schnittprogramme noch einen geeigneten Monitor dafür besitze. Full-HD hat sich als hochwertiger und praktikabler Idealstandard etabliert.

Ist es die Bild-Qualität?

Betrachte ich DSLM-, DSLR- und Camcordervideos bezüglich der Qualität, so fällt mir auf, das die DSLM und DSLR Geräte eine bessere Qualität erzeugen, allerdings sind die Unterschiede wirklich sehr gering. Das Videomaterial beider Systeme ist scharf und bei ausreichend Licht klar und fein strukturiert.

Low-Light Performance

Wird das Licht jedoch etwas weniger, zum Beispiel im Wald, dann kommt der Camcorder langsam in Bedrängnis. Je nach Helligkeit kann ein sehr leichtes Rauschen auftreten, allerdings noch nicht störend.

Die DSLM/DSLR-Systeme haben diesbezüglich etwas mehr Spielraum, da die Sensoren größer als die des Camcorders sind.

Wird es jedoch noch dunkler, so fangen DSLM (Olympus und Lumix) etwas an zu rauschen, die Nikon mit dem großen APSC-Sensor hat diesbezüglich noch reichlich Luft aber auch bei ihr ist irgendwann Schluss.

Der Camcorder und die Edelkompakte Nikon A900 sind folglich das schwächste Gerät in dieser Reihe, da sie beide den kleinen 1/2.33″ Sensor besitzen. Gefolgt von der Olympus und der Lumix mit dem größeren m4/3 Sensor, besitzt die Nikon D7100 mit dem großen APSC-Sesnor die beste Lichtempfindlichkeit und das geringste Rauschen. Es ist allerdings zu bedenken wie sinnvoll oder unsinnig solche Lichtsituationen für Videos sind, denn in den überwiegenden Fällen dreht man kaum „Nachtvideos“.

Der Videostil

Im Bereich des Video-Stils gibt es die größten Unterschiede, die allerdings physikalisch durch die verschiedenen Sensorgrößen bedingt sind. Betrachtet man das unetrschiedliche Videomaterial, so fällt auf, das in den Videos des Camcorders meist alles scharf ist.

Eine Unterteilung in Vordergrund, Motiv und Hintergrund ist mit dem kleinen Camcorder-Sensor nur sehr schwer möglich. In diesem Bereich punkten die DSLM/DSLR, da sie selbst mit den ungünstigen Blendenwerten der Kitobjektive das Motiv gut vor einem Vorder- oder Hintergrund freistellen können. Der Hinter- und Vordergund kann also unscharf gestellt werden und das Motiv hebt sich scharf im Video hervor – dies ist der so genannte Kino- oder Filmlook.

In diesem Segment kann die Nikon D7100 am besten punkten, da sie von den Systemen den größten Sensor besitzt und das größte Freistellungs-Potential besitzt – somit den besten Kino-Look erzeugt.

Bildstabilisierung

In diesem Zusammenhang fällt mir dieser Aspekt ein, die Stabilisierung des Bildes beim Dreh, denn in diesem Segment können die kleineren Systeme (Camcorder, Olympus und Lumix) vor dem DSLR-System (Nikon) punkten, da sie eine excellente Bildstabilisierung besitzen.

Zwar ist die Nikon D7100 bezüglich Low-Light und Film-Look mein Favorit, dennoch hat sie keinen Bildstabilisator für meine bevorzugten Objektive (50mm F1.8; 35mm F1.8; 85mm F1.8), was dazu führt, das Bilder leicht wackeln und folglich etwas an Schärfe verlieren.

Handling

Das Handling der verschiedenen Gerät stellt ebenfalls einen großen Unterschied dar, denn der Camcorder hat bereits alles an Bord was er zum filmen benötigt. Mit einem Knopfdruck ist der Camcorder betriebsbereit und filmt. Gleiches gilt auch fast für die Nikon A900.

Die DSLM/DSLR ist da schon etwas komplizierter in gang zu setzen, zumindest lässt sie sich nicht ausschließlich mit einer Hand in den Filmmodus versetzen. Zudem muss auch der Objektivdeckel von Hand abgenommen werden und in der Tasche verstaut werden.

Positiv ist das verbaute Objektiv im Camcorder, denn es deckt einen imensen Brennweitenbereich ab. In diesem Segment können DSLM und DSLR kaum mithalten, denn ein aufwändiger Objektivwechsel ist nötig wenn man im Video einen anderen Brennweitenbereich abdecken möchte.

Besonders hervorheben möchte ich sogar die Bedienung des Camcorderobjektivs gegenüber dem DSLM/DSLR-Objektiv, denn das Drehen am Zoomring birgt oft die Gefahr von wacklern. Der Camcorder HC V777 löst dies mit einem weichen Motorzoom, zwar bieten dies auch einige Lumix- und Olympus-Kameras, dennoch ist es im Bereich DSLR/DSLM kein Standard und kann nur mit Zusatzequipment umgesetzt werden.

Die Handhaltung unterscheidet die Geräte ebenfalls voneinander, denn der Camcorder liegt eindeutig natürlicher in der Hand als die Kamera. Zudem bietet der Camcorder eine Handschlaufe die sicheren Halt bietet.

Reportagen

Ein wichtiges Thema möchte ich zum Schluss noch ansprechen. Auch wenn der zuvor angesprochene Kino-Look für den Betrachter schön und harmonisch wirkt, so hinderlich ist er bei Reportagen.

Bei Dokumentationen und Reportagen muss es schnell gehen, es bleibt oft keine Zeit den Fokus genau einzustellen oder gar ein passendes Objektiv auszuwählen, die Devise lautet hier: „einschalten, filmen und mit allem rechnen.“

Der Camcorder ist ideal für diesen Videobereich, denn sein Objektiv deckt alle Brennweiten ab und er ist mit einer Hand fix einsatzbereit und bedienbar. Zudem benötigt er keine zusätzlichen Objektivtaschen oder ähnliches.

Auch wenn Reportagen und Dokumentationen eine echte Camcorder-Domäne sind, kommen dem nur noch die kleinen DSLM mit Universalobjektiv aus dem Hause Olympus oder Lumix nahe, denn sie sind klein und leicht. Die große, schwere Nikon scheidet meines Erachtens aus, da sie viel zu unhandlich und zu schwer ist.

Ranking und Fazit

Möchte ich einen fotografischen oder cineastischen Ansatz verfolgen, so würde ich zur großen Nikon mit APSC-Sensor greifen, sie verspricht den schönsten Bildlook und hochwertiges Videomaterial.

Werden die Situationen eher spontan, unbekannt und trotzdem soll ein gewisser Film-Look vorhanden sein, dann würde ich zum MFT-Sensor der Modelle Olympus oder Lumix greifen. Diese Modelle sind klein, leicht und leistungsfähig, zudem bieten sie einen immer noch ausreichenden Kino-Look bei hochwertiger Qualität.

Ist mein Einsatzgebiet vollkommen unklar oder ich bin mobil ohne viel Gepäck unterwegs, dann würde ich zum Camcorder greifen, denn er ist klein, leicht, lässt sich mit einer Hand bedienen, ich muss keine Objektive wechseln und die Videos sind scharf. Diese Eigenschaften gehen allerdings zu lasten des tollen Kino-Looks und auch etwas zu Lasten der Lichtstärke bzw. des Bild-Rauschens.

Das folgende Ranking spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

Platz 1 Platz 2 Platz 3
Low-Light Nikon D7000 Olympus OMD,
Lumix G
HC V777,
A900
Kino-Look Nikon D7100 Olympus OMD,
Lumix G
HC V777,
A900
Bildstabi HC V777,
A900
Olympus OMD,
Lumix G
Nikon D7100
Handling HC V777,
A900
Olympus OMD,
Lumix G
Nikon D7100
Reportage HC V777,
A900
Olympus OMD,
Lumix G
Nikon D7100

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