Hollywood-Light ala George Hurrell

Die außergewöhnliche Lichtsetzung von George Hurrell († 17. Mai 1992) ziert viele Portraits aus den glücklichen 20er Jahren. Unter tausenden Fotos kann man diesen speziellen Bild-Look sofort von heutigen Portraits auf anhieb erkennen.

„Das wesentliche Element meines Stils war es, mit Schatten das Gesicht zu formen, anstatt es mit Licht zu überfluten“, beschrieb Hurrell sein Erfolgsrezept. Mit Licht und Schatten betonte er vor allem die Wangenknochen und Kieferpartien seiner Modelle. Was Beleuchtung und Weichzeichner betraf, entwickelte er eigene Techniken. Zudem galt er als Meister der Retusche. Darüber hinaus weisen besonders seine schwarzweiß Fotografien eine malerische Bildkomposition auf.
[Quelle: Wikipedia, GeorgeHurrell.com, LargeSense.com]

In diesem Beitrag habe ich diese spezielle Lichtsetzung untersucht und in ein paar Regeln zusammen gefasst, da ich für die Zukunft einige solcher Portraits in Planung habe.

Lichtposition

Das Licht kommt von sehr weit oben auf das Portrait, am besten im Winkel von 45 Grad und mehr, so dass die Wimpern bereits Schatten auf den Wangen beginnen zu schlagen.

Fotograf: George Hurrel, Carol Lombard

Damit bei diesem hohen Licht die Augen nicht im Schatten versinken, heben die Personen oft das Kinn sehr stark nach oben gestreckt. Dies wirkt teilweise (bewußt) sehr erhaben und arogant.

Dreht sich die Person, dann muss das Hauptlicht ebenfalls mit um die Person wandern um den Look beizubehalten. Wobei oft auch ein Loop-Light von George Hurrel verwendet wird. Das typische Butterfly-Light findet bei ihm kaum verwendung.

Härte des Lichts

Für dieses Thema muss man ein bisschen die damalige Fototechnik verstehen.

Foto: George Hurrel, Carol Lombard

Das Licht ist oft sehr hart und eng gebündelt, die Abstrahlfläche ist dabei kaum größer als 30cm, denn opulente Softboxen ala 1,20 m x 1,20 m waren in den Anfangsjahren der Fotografie noch unbekannt.

George Hurrell liebte die malerischen Schatten seiner Motive!

Die härte des Lichts gleicht heutzutage sogar der Abstrahlfläche eines handelsüblichen Systemblitzes. Die früher verwendeten Scheinwerfer hatten Lichtöffnungen die oft nicht größer als 20-30 cm waren.

Meist ist sogar nur der Bereich um die Augen herum deutlich belichtet und der Mund fällt schon merklich dunkler ab.

Das Bild von Jane Crawford ist ein gutes Beispiel für den starken Lichtabfall innerhalb des Gesichts zum Kin und Mund hin, erzeugt durch eine sehr hoch-frontale Lichtsetzung im Studio.

Foto: George Hurrell, Joan Crawford

Die sehr starke betonung von Wangenknochen, Kin und Augenpartie sind sehr typisch für die vielen Bilder aus seiner fotografischen Laufbahn.

Der Hintergrund

Hintergrundlicht ist bei vielen dieser Portraits leicht vorhanden. Die Person soll sich vom Hintergrund separieren – aber nicht zu sehr. Oft beleuchtet George Hurrell den Hintergrund dezent im Bereich des Kopfes oder belegt ihn mit einem Streiflicht damit der Betrachter einen kleinen Einblick in die Scenerie bekommt, sie aber nicht vom Motiv ablenkt.

Das Kinn

Das Kinn ist oft weit nach oben gerichtet, fast schon in Richtung des 45 Grad über dem Portrait stehendem Hauptlicht entgegen.

Fotograf: George Hurrell, Jane Russell

Die Augen dürfen dabei nur teils im Schatten der Stirn liegen. Viele seiner Portraits sehen dabei aus als würden die Personen das Licht förmlich anbeten.

Natürlich ist diese keine Grundvoraussetzung und hängt je nach Motiv ab. Der direkte Blick in die Kamera ist in diesen alten Fotos übrigens oft nur ein gestalterisches Mittel, denn viele seiner aufgenommen Personen schauen an der Kamera vorbei, da der direkte Blickkontakt oft zu provokant wirkt.

Spitzlichter

Spitzlichter, RIM- und Haarlichter sind fast in jedem Bild zu erkennen, denn George Hurrell wollte das Motiv vom Hintergrund lösen.

Fotograf: George Hurrel, Dorothy Lamour

Teilweise kommen Spitzlichter sogar aus, für heute völlig ungewöhnlichen Positionen.

Spitzlichter kommen bei George Hurrel auch teilweise seitwärtz auf das Motiv über die Schulter geworfen, um es klarer vom Hintergrund abzuheben.

Heutzutage werden diese Lichter lediglich als Rim- oder Haarlicht verwendet.

Brennweiten

Die Brennweite ist ganz erheblich für den Bildlook. Bei meinen Recherchen konnte ich jedoch kaum vernünftige Angaben zu diesem Thema finden. Gesichert scheint jedoch, das es auf heutige APSC oder Follformat-Kameras um Brennweiten um 200-300mm handelte. Blendenwerte pegeln sich dabei um 2-3 ein.

Schwarz- und Weiß-Werte

Viele seiner Bilder enthalten zwar dunkle Bereiche, jedoch sind diese nicht RGB 0,0,0 Schwarz sondern besitzen eher einen Grauton. Gleiches gilt auch für die Highlights im Bild RGB 255,255,255 ist in vielen Bildern durch ein helles Grau argestellt.

Es gibt nur ganz wenig Bilder die vollkommen Schwarz/Weiß und damit extrem Kontraststark sind. Meist wurden solche Extremkontraste nur bei bestimmten Motiven als künstlerisches (fast schon malerisch) Mittel eingesetzt.

Filter und Thungsten

DIe Beleuchtung der früheren Lichtsettings beruhte auf warmen Wolfram-Lampen mit Glühfaden, also eine recht rötlichem Licht.

Viele Kameras besitzen einen speziellen Portraitmodus.

Grünfilter und Rotfilter einsetzen.

Dunkle Lippenstifte, damit rote Lippen beim Rotfilter nicht zu weiß werden.

Bildformat

Nein, hierbei handelt es sich nicht um die Frage nach JPG vs. RAW, sondern eher um den Aspekt der Seitenverhältnisse, bzw. Bildausrichtung. Ein Großteil der Bilder ist im Hochformat aufgenommen, dies ist der früher existierenden Technik der Plattenkameras geschuldet. Die alten Glasplatten waren länglich und wurde mit der Längsseite in die Kamera eingelegt.

Fazit

Die vielen Bilder von George Hurrell zeigen, das es gar nicht darauf ankommt den teuersten und besten Lichtformer oder die größte Softbox eines namhaften Herstellers zu besitzen, sondern das Gesicht zu zeichnen – nach der Devise Shape the Face. Selbt mit den für heutige Anprüche primitiven Mitteln hat George Hurrell Kunstwerke geschaffen die mittlerweile millionen Dollar wert sind. Und dies lag sichlich nicht an seiner tollen Ausrüstung, sondern an seinem Stil.

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