Was ist Freistellen (Schärfentiefe)?

Ich werde oft gefragt was das ausschlaggebende Kriterium am Objektiv ist, wenn man ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund freistellen möchte. Dies ist ein fotografischer/optischer Effekt der im allgemeinen als schön empfunden wird. Daher ein kleiner (einfacher) Erklärungsversuch.

Tipp | Freistellung wird auch oft mit Bokeh gleichbedeutend genannt. Es sind jedoch verschiedene Dinge, da das Bokeh eher die Zerstreuungskreise beschreibt.

Je kleiner die zweite Zahl im Blenden-Verhältnis, zum Beispiel 1:3.5 ist, um so stärker ist das Potential einen unscharfen Hintergrund zu erhalten. Diesen Wert findet Ihr vorne auf dem Objektivring.

Die Zahl, z.B. 3.5, beschreibt wie weit die Blendenlamellen im Objektiv im Verhältnis zur Sensorgröße maximal geöffnet werden können. Folglich kann eine Blende mit 1:1.8 stärker geöffnet werden als ein Objektiv mit 1:3.5. In folge dessen galangt mit Blende 1:1.8 mehr Licht auf den Sensor als mit 1:3.5. Das Bild mit Blende 1:1.8 wird kürzer belichtet, weniger verwackelt, rauscht weniger und erzeugt mehr Freistellung durch geringere Schärfentiefe (siehe folgendes Bildbeispiel).

Kleine Blendenzahlen (offene Blende) verringern den scharfen Bereich und stellen stärker frei – Vordergrund ist unscharf, Motiv ist scharf, Hintergrund ist unscharf

Große Blendenzahlen bedeuten, das Blendenlamellen stärker geschlossen werden, der im Bild scharfe Bereich nimmt deutlich zu bis zu solch hohen Blendenwerten bei denen alles scharf im Bild ist (siehe folgendes Bildbeispiel).

Hohe Blendenzahlen (geschlossene Blende) vergrößern den scharfen Bereich so weit, bis alles im Bild scharf ist – Vordergrund ist scharf, Motiv ist scharf, Hintergrund ist scharf

Schärfentiefe | Als S. wird der Bereich im Bild beschrieben, der scharf dargestellt werden kann. Je kleiner die Blende (z.B. 1.8) je kleiner der scharfe Bereich, je größer die Blende (z.B. 22) je größer der scharfe Bereich im Bild.

Kleine Blendenwerte wie zum Beispiel 1:1.8, 1:1.4 oder noch kleiner sind super! Bilder wirken auf den Betrachter oft ausgewogen und schön. Der Fokus des Betrachters wird stärker auf das Motiv gelenkt.

Allerdings haben solche extrem großen Öffnungsverhältnisse auch Nachteile, die nicht ganz unerheblich sind.

Der Bereich in dem das Bild scharf ist wird immer kleiner und der Autofokus muss ordentlich ackern um bewegte Motive auch sauber im Fokus halten zu können. Oft beträgt der Schärfebereich bei einem 50mm F1.4 nur noch wenige Millimeter, sind also bei einem Portrait die Augen scharf, dann kann die Nasenspitze bereits unscharf sein, so extrem klein ist die Schäfreebene!

Kleine Blendenwerte (z.B. 1:1.2) und extrem große Öffnungsverhältnisse bedürfen auch größere Linsen, das Objektiv wird größer, das Glas schwerer und es kann sein, das der Autofukus etwas langsamer arbeitet, da er deutlich schwerere Linsen im Objektiv hin und her bewegen muss.

Ebenfalls problematisch sind bei solch extrem offenen Blenden die so genannten Aberationen, dies sind meist lila Farbsäume an kontrastreichen Farbkanten. Vielen fällt dies kaum auf aber das geschulte Auge erkennt diese auf den ersten Blick.

Und, der wohl wichtigste Punkt, Objektive mit sehr kleinen Blendenzahlen sind teilweise extrem teuer. Hochwertige Objektive beginnen oft über 1000,- EUR.

3 thoughts on “Was ist Freistellen (Schärfentiefe)?”

  1. Sehr gut beschrieben, das versteht jeder. Für diesen Sachverhalt gibt es leider auch immer wieder viele verschiedene und verwirrende Begriffe, die leider nicht immer zum besseren Verständnis beitragen.

  2. Das mit den sehr offenblendigen und dem Autofocus kann ich bestätigen, mein 50mm F1.2 ist im AF-Betrieb recht behäbig. Schneller ist auf jeden Fall mein 50mm F1.8 im AF-Modus.

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